Geschichte

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in der Region sind frühsteinzeitliche Ausgrabungen bei Groß-Umstadt. Aus der Jungsteinzeit stammen Funde der Schnurkeramiker in Grabhügeln im Bereich Groß-Umstadt, aber auch Hügelgräber aus der Nähe Heubachs. Auch Funde aus der Bronzezeit und Spuren der Kelten und Römer gibt es in der Gegend. Nach harten Kämpfen müssen die römischen Legionen um 260 n. Chr. den die Region zwischen Rhein und Main den Alemannen überlassen, die dem Odenwald nach ihrem höchsten Gott Odin seinen Namen geben. Sie werden im 5. Jahrhundert von den Franken besiegt, von denen Gräber in Groß-Umstadt zeugen. Unter ihrem Fürst Chlodwig, der zwischen 481 und 511 regiert, werden alle Einwohner des Frankenreichs und auch die Menschen in Heubach christlich. Der Karolingerfürst Pippin, Vater von Karl dem Großen, schenkt im Jahr 766 die Umstädter Mark und damit auch Heubach dem Kloster Fulda.
Fachwerkhäuser am Marktplatz

Zwischen 1100 und 1200 entsteht die erste Steinkirche in Heubach, Vorgängerin der heutigen evangelisch-reformierten Kirche am Marktplatz, und auch die Burgen Breuberg (8 Kilometer von Heubach entfernt) und Otzberg (in vier Kilometer Entfernung) werden gebaut. Im Jahr 1303 wird der Ort erstmals schriftlich erwähnt, in einem Grundstücks-Kaufvertrag zwischen einem Heubacher Bürger und dem Kloster Höchst im Odenwald. Bis 1399 ist die Gemeinde im Besitz der Herren von Bickenbach, danach bis 1803 kurpfälzischer Besitz, als es durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugesprochen wird.[1] Mit dem Rest der Kurpfalz wird Heubach in der Mitte des 16. Jahrhunderts protestantisch, und leidet im Dreißigjährigen Krieg unter Zerstörung, Seuchen und Tod. Am Ende des Krieges im Jahr 1648 hat Heubach nur noch drei Einwohner. Nach dem verheerenden Krieg betrieb die Kurpfalz auf ihrem Gebiet eine durch religiöse Toleranz geprägte Wiederansiedlungspolitik. Doch die in der unruhigen Folgezeit ausbrechenden Kriege wie der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) machte viele der Bemühungen wieder zunichte und Zehntausende Pfälzer emigrierten u .a. nach Nordamerika und Preußen.

Der Marktplatz mit dem Dorfbrunnen

Auch in religiöser Hinsicht war die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg von großer Unruhe geprägt. 1685 starb die reformierte Linie Pfalz-Simmern aus und die katholischen Vettern der Linie Pfalz-Neuburg traten mit Kurfürst Philipp Wilhelm die Regierung in der Kurpfalz an. Dieser ordnete die Gleichstellung des katholischen Glaubens, in der mehrheitlich evangelischen bevölkerten Pfalz, an. Schon während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Frankreich versucht, in den eroberten Gebieten die Gegenreformation voranzutreiben, und etliche katholische Pfarreien gegründet. Der Krieg endete 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, der die Stellung des zu diesem Zeitpunkt regierenden katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm stärkte. Dies führte am 26. Oktober 1698 zum Erlass des Simultaneum. Danach waren die Katholiken berechtigt alle reformierten Einrichtungen wie Kirchen, Schulen und Friedhöfe mitzunutzen, während dies umgekehrt nicht erlaubt wurde. Weiterhin wurde die bis dahin selbständige reformierte Kirchenverwaltung dem Landesherren unterstellt. Erst auf betreiben Preußens kam es 1705 zur sogenannten Pfälzische Kirchenteilung in der das Simultanum rückgängig gemacht wurde und die Kirchen im Land wurden mitsamt Pfarrhäusern und Schulen zwischen den Reformierten und den Katholiken im Verhältnis fünf zu zwei aufgeteilt. Sonderregelungen gab es für die drei Hauptstädte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal sowie die Oberamtsstädte Alzey, Kaiserslautern, Oppenheim, Bacharach und Weinheim. In den Städten mit zwei Kirchen sollte die eine den Protestanten und die andere den Katholiken zufallen; in den anderen, wo nur eine Kirche bestand, der Chor vom Langhaus durch eine Mauer geschieden, und jener den Katholiken, dieses den Protestanten eingeräumt werden. Den Lutheranern wurden nur jene Kirchen zugestanden, die sie im Jahr 1624 besaßen oder danach gebaut hatten. 

1702 kann die katholische Pfarrei Heubachs wieder errichtet werden, und bis 1759 erbauen die evangelisch-reformierte und auch die lutherische Gemeinde jeweils eine neue Kirche und Schule. 1806 entsteht unter Druck von Napoléon Bonaparte das Großherzogtum Hessen, zu dem damit auch Heubach gehört und in dem es als das „ärmste Dorf des Großherzogs“ bekannt wird. Seit 1817 wird in der Nähe Heubachs Sandstein abgebaut und einige Einwohner erzielen ein neues Einkommen. Trotzdem wandern zu Anfang des 19. Jahrhunderts besonders viele Hessen und auch Heubacher nach Amerika aus. 1871 wird die Eisenbahnlinie zwischen Wiebelsbach-Heubach, Reinheim und Darmstadt gebaut, 1896 kommt eine Linie zwischen Reinheim, Dieburg und Offenbach hinzu.

Die kleine lutherische Kirche

Ab 1884 wird an der neuen Schule am Wingertsberg unterrichtet, nicht mehr an den drei kleinen Konfessionsschulen, und 1912 wird der Bau eines neuen Rathauses beendet. Nach zwei Weltkriegen mit vielen Toten und dem Zuzug etlicher Deutscher aus den Ostgebieten vereinigen sich 1969 die zwei protestantischen Kirchengemeinden und im Jahr 1977 verliert Heubach mit der Eingemeindung nach Groß-Umstadt die bisherige Unabhängigkeit.

1955 war Heubach Schauplatz der dramatischen Entführung des geflohenen Stasi-Offiziers Sylvester Murau, der mithilfe seiner eigenen Tochter Brigitte Cullmann von Stasi-Agenten in eine Falle gelockt wurde und anschließend in Dresden mit dem Fallbeil hingerichtet wurde. Der Autor Jürgen Schreiber stellte bei den Recherchen für sein Buch „Die Stasi lebt“ fest, dass Brigitte Cullmann sich der tödlichen Folgen für ihren Vater voll bewusst war, der sich zu diesem Zeitpunkt in dem Gasthof "Goldene Krone" versteckt hielt. 1979 heiratete sie - nun Brigitte Schubert (alias IM Honett) - den für die Planung der Aktion verantwortlichen Stasi-Major Albert Schubert. Die heute in Berlin-Hellersdorf lebende Schubert wurde im Gegensatz zu den beiden Mittätern nie verurteilt. Wegen des dörflichen Umfeldes fand dieser Fall jedoch nie die gleiche Beachtung wie der ähnliche Fall des in West-Berlin entführten und anschließend in Moskau hingerichteten Walter Linse.

Historische Ortsnamen und Einwohnerentwicklung

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[1]

  • Heipach (1303)
  • Haypach (1322)
  • Heippach (1376)
  • Heupach an der Wiesen (1398–1400)
  • Heuppach (1454)
  • Haupach (1495)
  • Hawbach (1524)
  • Haybach (1570)
  • Haubach (16. Jahrhundert)

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1633: 125 Einwohner
  • 1829: 916 Einwohner
  • 1939: 1030 Einwohner
  • 1961: 1398 Einwohner
  • 1970: 1512 Einwohner
  • 2016: 1755 Einwohner

Verwaltungseinheiten

Im Lauf der Geschichte gehörte der Ort zu den folgenden dokumentierten Verwaltungseinheit:[1]

  • bis 1820: Amt Otzberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte.
  • 1821 bis 1832: Landratsbezirk Dieburg der Provinz Starkenburg.
  • 1832 bis 1848: Kreis Dieburg, mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen.
  • 1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg, während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke.
  • 1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Wiedereinführung von Kreisen in der Provinz Starkenburg.
  • 1938 bis 1977: Landkreis Dieburg. Im Zuge der Gebietsreform 1938 werden die drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen in Kreise aufgelöst.
  • ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht.

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